„Zuhause ist da, wo wir sind“

Wiebke Schmit
Conny (Constanze) Kühnel und Tommy (Thomas) Lehn machen es ganz anders: sie stellen ihr gesamtes Leben in den Focus des Reisens. Seit dreieinhalb Jahren sind die beiden Globetrotter nun schon unterwegs.
Der Entschluss, alles aufzugeben, die Arbeit zu kündigen und 120 qm gegen 12 qm einzutauschen fiel beiden leicht, denn die gelernte Augenoptikerin und der Handelsvertreter sehen das Reisen beide als eine Art der Lebensform. Als Conny im Jahr 2000 das erste Mal nach Namibia kam, war sie gleich begeistert von diesem Land. Ihr Reiseleiter Ernst Ritter hatte großen Anteil daran, ihr die Liebe zu Namibia nahezubringen. Seitdem steuerte sie beinahe jährlich das Sonnenland an. Der Wunsch, auszuwandern wuchs.
Neun Jahre später bereiste sie Namibia mit ihrem Lebensgefährten und späteren Ehemann Tommy. Die wohl wichtigste Entscheidung im Leben der Beiden fiel beim Sundowner an der Spitzkoppe: „Alles aufgeben und nur noch Reisen“, lautete die Devise. Innerhalb eines Jahres wurden alle Weichen gestellt: die Jobs gekündigt, die Wohnung aufgegeben, sämtliches Mobiliar veräußert und der MAN LE 10.220 umgebaut und ausgerüstet.
Am 1. Mai 2012 ging es los. Als Testreise für vorerst ein Jahr wurde der Nahe und Mittlere Osten angesteuert. Über Osteuropa ging es u.a. durch die Türkei, Iran und den Oman.
Fast genau ein Jahr später folgte der Aufbruch nach Afrika. Weder Conny noch Tommy haben Scheu, auf Menschen zuzugehen. Belohnt werden sie mit Erlebnissen und Erfahrungen, die ihnen niemand nehmen kann. Siebzehn Länder an der Westküste durchquerten die beiden mit ihrem MAN „Manni“, bevor sie sicher in Namibia ankamen. Das Land ist nach wie vor faszinierend für sie. Allerdings gibt es auch ein paar Enttäuschungen. „Namibia ist sehr teuer geworden. Die Preise können sich mancherorts gut mit denen in Europa messen“, meint Conny. Allein fürs Campen zahlt man – verglichen mit früher – inzwischen ein Vielfaches. Allerdings haben sich die Menschen im Kaokoland völlig verändert. „Zumeist ist es die Gedankenlosigkeit von Touristen, die mit ihren Geschenken etwas Gutes für die ‚Armen‘ tun wollen,“ erklärt Tommy. Süßigkeiten, T-Shirts oder Kugelschreiber werden unverhältnismäßig oft ausgeteilt, klar, dass damit das Betteln vorangetrieben wird. Aber auch Alkohol spielt eine große Rolle und hat die Lebensweise der Menschen im Kaokoland nachteilig beeinflusst.
Dass sich die auch Landeshauptstadt verändert hat, ist den beiden Reisenden natürlich ebenfalls nicht entgangen. „Windhoek hat sich sehr zum Positiven entwickelt“, meint Conny. Sie empfindet die Stadt für ihre Größe nicht nur als relativ sauber, sondern auch als recht entspannt. Ein großes Manko sei allerdings die Aufenthaltsgenehmigungspolitik der Regierung, vor allem im Hinblick auf Langzeitreisende. „Für den Pauschaltourist mögen drei Monate zwar genügen, doch was ist mit Gästen, die über einen längeren Zeitraum bleiben möchten?“, fragt Tommy. Der Staat würde sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn er Gäste aussperrt, die ja nicht nur Geld ins Land bringen sondern auch nachhaltig Arbeitsplätze schaffen.
Doch trotzdem lieben Conny und Tommy dieses Land – auch weil man die Seele baumeln lassen kann: „Es ist die wunderbare Natur, die scheinbar unendliche Weite, die wohltuende Ruhe und natürlich auch die Menschen des Landes, die Namibia so unverwechselbar machen.“
„Egal wo man sich aufhält und was man macht – es ist wichtig, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Außerdem sollte man für alles offen sein“, ist die einhellige Meinung der beiden. Denn nur so lernt man Neues kennen und beginnt, Zusammenhänge zu verstehen.
Wiebke Schmidt
Info:
Auf der Internetseite: www.mantoco.com gibt es mehr Infos zu Conny, Tommy und Manni. Von der Reise durch den Nahen und Mittleren Osten erzählt der Bildband „MANTOCO… und morgen die ganze Welt“. Es ist in deutscher Sprache im Engelsdorfer Verlag erschienen und über die Homepage der Beiden erhältlich. Mit dem Verkaufserlös werden verschiedene Kinderhilfsprojekte gezielt unterstützt.


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Republikein 2025-04-04

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